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Meine Hobbies sind grösstenteils meine Arbeit

Kurz vor 12 Uhr renne ich ins Lädeli, packe den dringend benötigten und vergessenen Artikel, stehe vor die Kasse. Eine Frau mit riesig beladenem Einkaufskörbli drängt hinter mir durch, stellt sich vor mich und den Warenkorb auf den Ladentisch. Perplex und fragend schaue ich sie an.
Sie: "Wüsse sie, i bi pressant."
Ich: "Wüsse sie, i bin au pressant!"
Sie: "Aber wüsse sie, i schaff halt!"
Ich: "Ahaaa, wüsse sie, i schaff halt gaaar nüt - ... !"
Die Lädeli-Besitzerin schaute mir in die Augen, verkniff es sich mit äusserster Konzentration zu lachen und tippte die Waren der gestressten Dame.
Anschliessend haben wir uns richtig amüsiert und herzhaft gelacht.

Ja, ich arbeite gaaar nichts!
Mit grosser Freude bin ich "nur" Hausfrau, Mutter und heute Grossmutter, wohne in einem Haus mit Garten und pflege meine Hobbies - ...
Hahaha. Ich liebe dieses "nur", denn alles ist relativ. Und der einzige Mensch, der meine Arbeit würdigen muss, bin ich selbst. Und - ich darf mit mir sehr zufrieden sein!

 

 

 

Grundätzlich bin ich keine "Süsse". Jedoch die Crèmen von Mams oder Tante Trudle waren einsame Spitze und da wollten weder Mams noch ich auch nur auf den kleinsten Rest verzichten.
Folglich: "Hän mir Beidi mit Inbrunscht dr Täller usgschläggt!"
Und - das erlaube ich mir heute noch !
Ja - ! Auch in der Öffentlichkeit.
Ich habe bemerkt, dass ich Abends im Spiegel immer noch gleich aussehe, auch wenn ich mir einen Spass erlaube, eine Freude gönne oder mal was Falsches mache - !

 

Als Baslerin sollte ich ja eine angefressene Fasnächtlerin sein. Sehr gerne hätte ich die Baslertrommel geschlagen:
"Me hätt s nit dänggt. Me hätt s nit dänggt. Me hätt s verdoria nit dänggt ..."
"D Müllere het sie het. D Müllere het sie het. D Müllere het in d Hose gschysse und im Vater s Bei abbysse. D Müllere het sie het."
"Ou, das hätt i dir allwä nit dörfe lehre, hmm", sagte meine Grossmama damals zu mir. Noch heute singe ich innerlich diesen Text mit, wenn ich mit der Stadtmusik am Zapfenstreich durch die Stadt marschiere.

Aber damals war trommeln, Cliquen und Fasnacht noch Männersache. Ich entdeckte das Skifahren und die Fasnachtsferien waren eine tolle Gelegenheit diesem Hobby zu fröhnen.

"Du hesch doch e Huffe Inschtrumänt und bisch musikalisch gnueg", sagte die Tönlifrau der Frauegugge, "und mr bruche hüt dyne Unterstützig am Brugger Umzug. D Klamotte für di hän mr au drby !"

Diese fasnächtliche Aktion dauerte letztendlich 11 Jahre. Sie brachte mich dazu Posaune richtig spielen zu lernen. Dies ermöglichte mir aber auch meinen Traum zu verwirklichen, Dirigentin zu studieren und zumindest bei Blasmusiken engagiert auszuüben - ...

 

Elsie Attenhofer verehre ich. Solche Sketches zu erfinden und vorzutragen - ...
Eines meiner grossen Ziele.
Zufällig ergab sich die Gelegenheit und ich versuchte zwar mit Erfolg mein Glück, jedoch wusste ich um meine bescheidene Darbietung in schauspielerischer wie dichterischer Hinsicht.

Erst bei Elsie Attenhofers Nachruf erfuhr ich, dass sie nicht wie ich glaubte alles selbst machen zu müssen. Aber meine Zufriedenheit, dies gewagt zu haben, ist nachhaltig und tut enorm gut.