Der Christabend

Mit stillem Schweigen sinket
Herab die heil'ge Nacht
Gar hell und lieblich blinket
Des Abendsternes Pracht
Als wollte er mich fragen
Wer heut geboren ist
Ich kann es ihm wohl sagen
Es ist der heil'ge Christ

Der Heil'ge kam von Oben
Und war der Kinder Freund
Ihn will ich liebend loben
Daß er's so gut gemeint
Voll Milde und Erbarmen
Mit Vaterlieb' und Lust
Trug er sie auf den Armen
Drückt er sie an die Brust

Wohl nicht in menschenweise
Wohnt er auf Erden mehr
Nur unsichtbar und leise
Noch wandelt er umher
Er suchet seine Kleinen
Und sucht von Haus zu Haus
Und wo sie fromm erscheinen
Da geht er ein und aus

Ich will zur Ruh' mich legen
Und betend schlaf' ich ein
Ich träum' von seinen Segen
Und möcht' gern bei ihm sein
Möcht' ihm mich dankend neigen
Dem lieben, heil'gen Christ
Der in dem Weihnachts-Schweigen
So nah den Kindern ist

aus:
Lieder für Jung und Alt.
Hrsg. v. J. J. Schäublin. 78. Auflage. Basel 1894, S. 78f.:
Carl Ludwig Theodor Lieth (1776-1850)

Neben dieser Version gibt es noch eine 5-strophige Fassung
die allerdings wohl sehr stark "zersungen" ist