Ein Sonnenstrahl...

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl hielt mich umfangen, liebkoste und küsste mich.
Ich schlief in seinen Armen
Und wusste von allem nichts.
Ein Sonnenstrahl kitzelte mich an der Nase und lächelte mich an.
Ich erwachte
und lachte freudig zurück.

     Wie hätte ich sonst reagieren sollen?
     Dies war mein ganzes Glück!

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl versank im Abendrot.
Ich verabschiedete mich von ihm
Und schritt guter Dinge voran.

     Wie hätte ich sonst meinen Weg gehen lernen
     Und seine Umarmung entbehren?

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl winkte mir und lachte mich ermunternd an.
Ich kehrte ihm den Rücken
Und opferte seine fürsorgliche Wärme.
Ein Sonnenstrahl winkte und lächelte mir freundlich nach.
Ich bemerkte ihn nicht
und biss die Zähne aufeinander.

     Wie hätte ich sonst meinen Weg fortsetzen können?
     Wo sein Verlust wie ein Kloss mir im Halse sass!

Ein Sonnenstrahl schien mir zu winken.
Ich bereute meinen kühnen Schitt
Und wollte ihm entgegen eilen.

Doch Wolken schoben sich dazwischen
Und meine Tränen vermischten sich mit dem fallenden Schnee.

Eine Träne rollte über meine Wange.
Ich wischte sie weg
Und verbarg meinen Kummer stolz.

     Wie hätte ich sonst tapfer und stark werden können?
     Das wollte ich unbedingt schaffen!

Ein Sonnenstrahl schien in mein Fenster.
Die Storen waren zu
Und ich hatte zu arbeiten.

     Wie hätte ich sonst zu überleben vermögen?
     Ich wollte mir meine Sonne verdienen.

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl umfing mich mit seiner Wärme.
Ich konnte nicht genug davon bekommen
Und spürte mein Verlangen nach mehr und noch mehr...

Und all die Wärme vermochte nicht all die Kälte zu durchdringen!

Kein Sonnenstrahl wärmte mein Herz.
All meine ungeweinten Tränen froren zu Eis
Und hatten all die Sonne aufgezehrt.

     Wie hätte ich sonst begonnen darüber nachzusinnen?

Und kommt der Tod auch jedes Jahr einmal vorbei,
Folgt ihm doch immer wieder ein neues Frühlingserwachen!

Eine Träne rollte über meine Wange.
Ich vergass sie abzuwischen. Eine Träne folgte der Anderen
Und schwemmte fort all meinen Schmerz.

     Wie könnte ich sonst all meine Freude spüren?

Wie wäre das Licht der Sonne fahl und weiss,
Würde es nicht durch meine Tränen gebrochen zum Regenbogen?

Ein Sonnenstrahl winkte mir und lachte mich ermunternd an.
Ich schenkte ihm meine Tränen
Und er trocknete sie mit seiner Wärme.

     Wie könnte ich all die Wärme der Sonne spüren,
     Würde nicht vorher der Wind mein Gesicht kühlen? 

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl schenkte mir seine leidenschaftliche Wärme.
Ich konnte nicht genug davon bekommen
Und spürte nicht seine Hitze, seine Glut.

     Wir hätte ich sonst all die Leidenschaft bezwungen?
     Hätte ich nicht seine Brandblasen erduldet!

Ein Sonnenstrahl brannte erbarmungslos auf mich herab,
Kitzelte meine Nase, wollte mich liebkosen und küssen.
Ich setzte meine Sonnenbrille auf, drehte ihm den Rücken zu
Und genoss die Kühle des Schattens.

     Wie können wir im Leben immer nur nehmen oder geben wollen,
     Wenn doch der Baum nur einmal im Jahr Früchte trägt?

Ein Sonnenstrahl...
Ein Schatten spiegelte meine Gestalt.
Ich konnte mein Innres, mein Herz nicht finden
Und spürte nur Eis in meiner gepanzerten Brust.

     Wie hätte ich sonst mein Herz gefunden
     Und meine Einsamkeit entdeckt?

Wie kann ein Feuer zerstörend sein,
Wenn keine Liebe seine Flammen lenkt.

Ein Sonnenstrahl kitzelte meinen Nacken.
Ich erschauerte von Kopf bis Fuss, warf meinen Panzer fort,
Und seine Wärme durchdrang mein frierendes Herz.

     Wie hätte ich sonst seine Bedeutung erkannt
     Und die meine kennen gelernt?

Ein Sonnenstrahl spürte mein Verlangen.
Ich wandte mich ihm zu
Und wir umarmten uns in der Morgenröte.

     Wie hätte ich sonst wieder lachen mögen?
     Sein wirklicher Sinn hatte mich entlöhnt!

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl versteckte sich hinter den Wolken.
Ich schaute ihm verwundert nach
Und erschrak durch einen zuckenden Blitz
Und sein nachfolgendes Donnergrollen.

     Wie wäre ich sonst aus meiner Selbstzufriedenheit aufgeschreckt?
     Sein Blitz und Grollen hatten mich geweckt.

Ein Sonnenstrahl zwinkerte mir zu.
Ich wollte wissen, woher er komme, wer er sei,
Und er erzählte mir sein Leben.

     Wie hätte ich sonst alles erfahren?
     Meine Neugier wurde grenzenlos!

Ein Sonnenstrahl kitzelte meine Nase und lächelte mich lockend an.
Ich nieste
Und lachte schelmisch zurück.

     Wie hätte ich sonst Erfahrung beweisen wollen?
     Gelassen erkannte ich mein Glück!

Ein Sonnenstrahl blinzelte mir zu.
Ich lachte in mich hinein
Und er begleitete mich bei meiner Arbeit.

Wie könnte mein Leben nur aus Arbeit bestehen,
Wenn doch die Natur auch den Winterschlaf kennt?

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrahl liebkoste und küsste mich.
Ich vergass mich von ihm zu verabschieden
Und nahm den Regen nicht wahr
Und durfte noch lange der Liebkosung nachspüren.
Ein Sonnenstrahl streichelte meine Wange und küsste mich.
Ich vergass Abschied zu nehmen
Und während ich der Liebkosung nachspürte, durchnässte mich der Regen
Und der Schirm hing ungenutzt an meinem Arm.

     Wie hätte ich sonst mich schützen gelernt?
     Schutzlos unterkühlte mich die Nässe!

     Wie hätte ich sonst die Bedeutung des Schirms erfahren,
     Wenn ich nicht masslos übertrieben hätte?

Ein Gewitter tobte in mir drinnen.
Ich blitzte und grollte
Und dachte, dies sei alles seine Schuld.

     Wie hätte sich sonst mir Gelegenheit bieten wollen,
     Wenn ich nur alles ihm überantwortet hätte;
     In Freiheit meine Erfüllung zu erkennen,
     In eigener Herrschaft alles überwinden zu können
     Und mit meiner Liebe Grenzen zu sprengen?

Der Regen wusch mich rein.
Wie Blitz und Donner sprühte meine Energie
Und ich wandelte mich zum verbindenden Regenbogen.

     Wie hätte ich sonst auch des Regens Güte erkannt,
     Wenn nicht sein Geist mich taufte mit seinem Segen?

     Wie hätte ich sonst dem Ganzen dienen sollen?
     Dienend erfüllte mich des Lebens Glück!

Ein Sonnenstrahl umfing mich mit seiner Wärme, streichelte meine Wange und küsste mich.
Ich gab mich der Liebkosung hin, fühlte seine Hitze und Glut
Und wendete mich einem kühlenden Bade zu.

     Wie hätte ich sonst meinen Weg gehen sollen?
     Nun kannte ich einen Teil des Lebens Sinn.

Ein Sonnenstrahl wanderte an mir vorbei.
Ich blickte ihm nach
Und er erhellte das ganze Universum.

     Wie hätte ich sonst diese Weite und Unendlichkeit gesehen?
     Ich hätte nur wenig weiter als meine Nasenspitze geblickt!

Ein Sonnenstrahl wärmte mich und mit ihm all seine Kameraden.
Ich suhlte mich in seiner Fülle
Und fand nur ein Wort als Dank für alle Gaben.

     Wie hätte ich sonst das Lobpreisen gelernt?
     Ich durfte mich an allem erlaben!

Ein Sonnenstrahl erleuchtete mein ganzes Sein.
Ich schöpfte aus seinem Quell
Und schaffte eine gewaltige Synfonie zu seinen Ehren.

     Wie hätte ich sonst all die Kraft zu verwerten?
     Ich wäre zersprungen und all mein Glück läge in Scherben!

Ein Sonnenstrahl...

Ein Sonnenstrahl ergoss sein Licht in die Welt.
Ich wollte ihm nacheifern, beherrschte meine Wünsche
Und zwang mich zu scheinbar guten Taten.

     Wie hätte ich sonst ein bessrer Mensch werden wollen?
     Bescheiden und selbstlos gelten sollen?

     Wie hätte ich sonst meinen Opferwillen beweisen wollen?
     Die Last lag schwer auf meinem Herzen!

Ein Sonnenstrahl tanzte hoch am Himmel
Weit weit droben über mir.
Ich sass da unten, starrte nach oben
Und Hader entbrannte ganz tief in mir.

     Wie hätte ich sonst reagieren sollen?
     Ich hätte frei fliegen und glücklich sein wollen!

Ein Sonnenstrahl leuchtete schwerelos mit seinem Schein
Mit seinem Licht ins Weltall hinein.
Ich sass schwerfällig da mit meiner Pein
Und war so unsäglich, unsäglich allein.

Ein Sonnenstrahl regte sich in mir drinnen.
Ich spürte sein wärmendes, freundliches Sein
Und mein Herz war innig mit ihm verbunden.

     Wie hätte ich sonst mein Sein erfühlen können?
     Ich bliebe verhärtet in Trauer allein!

Ein Sonnenstrahl pochte von innen an meine Herzenstür.
Ich öffnete zögernd seinem Drängen
Und sein heller Schein ergoss sich über all meine Wege.

     Wie hätte ich sonst meine Härte besiegen können?
     Nur die Liebe allein lenkte meinen Willen zum Guten!

Ein Sonnenstrahl regte sich in mir drinnen.
Ich spürte sein wärmendes, freundliches Sein
Und mein Herz war innig mit ihm verbunden.

     Wie hätte ich sonst mein Sein erfühlen können?
     Ich bliebe verhärtet in Trauer allein!

Ein Sonnenstrahl pochte von innen an meine Herzenstür.
Ich öffnete zögernd seinem Drängen
Und sein heller Schein ergoss sich über all meine Wege.

     Wie hätte ich sonst meine Härte besiegen können?
     Nur die Liebe allein lenkte meinen Willen zum Guten!

Ein Sonnenstrahl...
Ein Sonnenstrhl vermischte sich mit dem Regen und erstrahlte in allen Farben.
Ich spiegelte seine Farbigkeit zurück
Und besass all seine Macht und seine Kräfte.

     Wie hätte ich sonst den Teufel besiegen sollen?
     Er war Versuchung mir in meinem Glück!

Ein Sonnenstrahl umspielte golden mein Haar.
Ich stand im Sumpf mit meinen Füssen
Und seine Arme beschützten mein wunderbares Kind.

     Wie hätte ich sonst mich mit der Welt verbinden sollen?
     Ich war sie und sie hielt mich umfangen!

Die Dunkelheit bewarf mich mit Steinen.
Ich beugte mich ihnen schmerzvoll
Und meine Liebe verzieh des Frevlers Schand.

     Wie hätte sonst meine Liebe alles erleuchtet?
     Ihr Licht ergoss sich aus einem nie versiegenden Quell!

Die Dunkelheit bedeckte alles mit ihrem Schleier.
Ich liess sie gelassen gewähren
Und mein inneres Licht zerriss ihren Vorhang.

     Wie hätte sich sonst alle Schönheit offenbaren sollen?
     Die Dunkelheit verdrängt nur das Licht, aber das Licht erleuchtet sie!

Ein Sumpf zog mich in seine unergründlichen Tiefen.
Ich blieb aufrecht
Und überwand seinen Sog.

     Wie hätte ich sonst meinen Auftrag erfüllen wollen,
     Den mir mein Herz mit seiner Liebe gebot?

Ein Regenbogen wies mir meinen Weg.
Ich gehorchte seinem Rate
Und fand Erlösung in seinem Zenith.

     Wie hätte ich sonst heimkehren sollen?
     Mein Wanderleben führte mich zurück!

Ein hell erleuchtetes, weit offenes Tor ladete mich zum Eintreten ein.
Ich stand ergeben davor
Und wurde emporgehoben und hineingetragen.

     Wie hätte ich sonst erlösen können?
     Seine Gnade empfing ich beglückt!

Ein Sonnenstrahl...

YGL