Aktuelles
Nichts ist böse ausser das Missverständnis
Nichts ist böse ausser das Missverständnis
das sich fürchterlich
und zerstörend
auswirkt
Das ist das
Teuflische
die Not
und das Leid
der Welt
Nicht der Tod ist böse, sondern das Missverständnis
seiner Idee
seiner Urform
und seiner Aufgabe
Seiner Pflicht
das Leben zu erfüllen
zu vervollständigen
zu vervollkommnen
Den Tod besiegen
ist nicht ihn abschaffen
sondern ihn bewusst
zu erleben
damit wir merken
dass wir ihn
überleben
wie das Jahr den Winter
Ein wacher Schlaf
in einer anderen Welt
Einer Welt wie Erde
wo wir versinken
in Geborgenheit
der Dunkelheit
Und alles ist erfroren
erstarrt unter dem Schnee
der die liebende Brücke vereist
die zum anderen Ufer führt
Ein alles vergessender Schlaf
Oder einer Welt
voll Dunkelheit
geborgen
eingeschlossen
und angsterfüllt
sie würde zermalmen
erdrücken
wir könnten ersticken
Und doch trägt sie
beherbergt sie
Nichts ist mehr zu sehen
Schwärze überall
von Schwärze umgeben
Nur fühlend
die sanfte Umarmung
liebevoll behütend
und aus ihr herauswachsend
ans andere Ufer
Ein staunendes Erwachen
Tief verwurzelt
und doch frei
in Schönheit
sich zu entfalten
Oder einer Welt
geborgen
in Dunkelheit
getrennt durch die Nebel
die im Kreis
ins Labyrinth
führen
ohne dem anderen Ufer
näher zu kommen
Nebel
die die Liebe
mit ihrer Feuchte
verwässern
dass nur der spiegelnde Glanz des Taues
sie erahnen lässt.
Ein traumvoller Schlaf
der mit Trunkenheit
einer unbestimmten Sehnsucht
erfüllt
und doch wissen wir nicht
Vergessen ist der Faden
der Liebe
rot wie das Blut des Lebens
der zum anderen Ufer führt
Oder einer Welt
voll Spinnen
die weben
ein Netz
Voller Intrigen ?
Fühlen wir uns
als Fliege
als Belzebub
verstricken wir uns im Netz
der Gottesanbeterin
Sind wir wach
sehn wir den Teufel
im Netze zappeln
der Spinne
der Liebe
die uns befreit
und den Faden uns spannt
als Brücke
zum anderen Ufer
So wie auf der Brücke
der Liebe
des Lebens
das Licht sich mit der Dunkelheit vermählt
muss der Schmerz
die Freude
durchdringen
und Beide sind nicht mehr
und doch auferstanden
gewandelt
zum Hosianna
Oder einer Welt
der Finsternis
geborgen
von ihr ergriffen
umarmt
verschlungen
und fürchtend
zu ertrinken
im Meer
dem Ungeheuren
von Haien zerfressen
Verloren scheint
die verbindende Brücke
der Liebe
Und doch erhält sie uns
beschützt
trotz finstrer Nacht
liebend
wie von Delphinen getragen
spühlt es uns
an andere Ufer
Ein unfassbarer Traum
bleibend die Erinnerung
des Brusens in den Ohren
Oder einer Welt
voll aufrührerischer Hitze
die verzehrend
vor Leidenschaft
bis zur Betäubung
keine Brücke mehr erkennen lässt
eingeschüchtert
von drohenden Wolken
umfangen
bis blitzend
und gleissend
diese zerreissen
wir geblendet
die Augen schliessen
Die Ohren betäubt
von grollenden Donner
Explodierend
geschleudert ans andere Ufer
Nicht wissend
wie alles geschah
Mit schalem Gefühl
bis wir die Augen erheben
weil der Himmel so blau
und aller Druck gewichen
Sehend
den beglückenden Regenbogen
als leuchtende Brücke
beide Ufer verbindend
als Gnade der Liebe
des Lebens
Oder einer Welt
durch die Dunkelheit fliegend
geborgen
in Strömen des Luftzug
kaum verweilend an einem Ort
über die unerkannte Brücke brausend
als kalte Brise
heiss, feucht oder trocken
im Aufwind
oder abwärts sausend
zeitlos oder dauernd in Eile
in ungeahnten Höhen schwebend
böig alles aus den Ecken fegend
suchend, irrend, unstet und wankend
aufgeregt einen Blitz entfachend
das Meer peitschend
die Erde verblasend
Würd nicht eine Taube
sich auf s Geländer setzen
der Brücke zwischen den Ufern
eine Flaute uns bei ihr
verweilen lassen
auf der Brücke stehend
kurz beide Ufer schauend
keine Ahnung
begänne zu dämmern
War s ein Traum ?
Der Tod
der das Leben
bricht ?
Der Lebensraum ist dunkel
das Leben licht
die Brücke
die Gnade
der Liebe !
Nur das Missverständnis
der Finsternis
ist Hölle !
Kein Traum
kein Schlaf
wunderbare Erholung
Wahrnehmung
und Wissen
nichts ist vorbei
alles ist ewig
wie Tag an Tag sich reiht
obwohl die Nacht dazwischen
Nichts ist unterbrochen
nichts vergessen
Nur das Missverständnis
schläfert ein
Alles ist ewig vergänglich
vergänglich ewig
ewig neu
fortschreitend
wachsend
sich vermehrend
nur ab und zu unsichtbar
verdeckt
vernebelt
und doch da
auch sich selbst
wahrnehmend
Ist es nun die Schwärze der Erde ?
Ist es nicht viel mehr
der auf Erden sichtbar gemachte Beweis
einer Nacht, die nicht erdig
nur dunkel, schwarz, finster
genannt die Nacht des Todes
die müden Augen erholen lässt
Eine Nacht, die uns nährt und tröstet
Oder einer Welt
des Lichts
voll Sehnsucht
uns ihm hinzugeben
ungeblendet
unverblendet
freudig wach
in Liebe geborgen
der Gnade preisgegeben
Dem Königreich nahe
dem Ort der Hochzeit
der echten Brücke der Liebe
zum Schoss
dem Mund
von dem das Wort ausging
über die Brücke des Abgrunds
in die himmlische Hülle
oder Sprachblase
und diese ausfüllend
mit dem Hausch
des Lebens
bis ins kleinste Detail
und erbeben lassend
mit dem Klang
einer köstlichen Sinfonie
und als Antwort
klopft
das Herz
den Takt der Zeit dieses Raumes
und das erste gestammelte Wort
als Schrei der Verzweiflung
des ausgestossen seins
fällt in den Abgrund
in eigener Hülle
und pflanzt sich fort
Nur wo die Bande der Liebe
zum rettenden Faden
zur unerschütterlichen Brücke wird
nimmt der Fall ein Ende.
Und es geht aufwärts
mitten ins Licht
ohne das Auge zu blenden
damit wir das Leben erkennen
Nicht das Leben ist böse, sondern das Missverständnis
seiner Idee
seiner Urform
und seiner Aufgabe
Seiner Pflicht
die Sicherheit zu garantieren
damit nichts verloren gehe
Nicht das Leben ist böse, das alle Vielfalt ermöglicht
wie das Missverständnis
das auch aus ihm geboren
das tötet
Nicht das Leben ist böse, sondern das Missverständnis
seiner Veränderlichkeit
die Loslassen
in jedem Augenblick verlangt
Die Freude des Gebärens
im Schmerz des Loslassens
Tod des vergehenden Alten
im Werden des Neuen
Das Leben heilt
im Tod durch Wandlung
YGL



